Stillen — System von Angebot und Nachfrage

 

Stillen ist ein aus­ge­klü­gel­tes und über zig tau­sen­de von Jahren erprob­tes System von Angebot und Nachfrage.

Ohne das gäbe es uns alle nicht.

Egal, ob Sie stil­len oder nicht, ist das ein fas­zi­nie­ren­der Gedanke, fin­de ich.

In der Schwangerschaft berei­tet sich Ihr Körper und damit auch Ihre Brust schon auf die Aufgabe vor, die da kom­men wird.

Vielleicht haben Sie auch in Ihrer Schwangerschaft bemerkt, dass Ihre Brüste span­nen, an Größe zuge­nom­men haben.

Oder schon ein wenig Milch ausgetreten ist, lange bevor das Baby da war.

Mit der Geburt und vor allem mit dem Geboren-wer­den der Plazenta, setzt die eigent­li­che Milchbildung ein.

Diese Milch ist das Kolostrum.

Es ist leicht gelb­lich und fließt nicht in Strömen.

Es ist aber beson­ders wich­tig für das Baby und klei­det sei­nen Darm mit wich­ti­gen Bakterien aus und unter­stützt opti­mal das Immunsystem.

Nach zwei bis drei Tagen (manchmal auch noch etwas später) beginnt die Bildung der sogenannten reifen Muttermilch.

Die Milch ist jetzt immer weni­ger gelb­lich, sieht dünn­flüs­si­ger aus (hat aber nichts mit den Kalorien zu tun, Muttermilch ent­hält sehr vie­le Kalorien!).

Die rei­fe Milch sieht dann manch­mal sogar ein wenig bläu­lich und wäss­rig aus.

Damit die Milchproduktion von Anfang an gut in Gang kommt, ist es wich­tig, das Baby schon in den ers­ten 24 Stunden sei­nes Lebens häu­fig anzu­le­gen.

Falls das nicht möglich ist:

Kolostrum von Hand ent­lee­ren und sam­meln, damit das Baby es bekom­men kann, las­sen Sie sich zei­gen, wie das geht).

Oder Sie geben dem Baby Ihr Kolostrum direkt mit einem Löffel, auf den Sie es entleert haben.

In den ers­ten vier bis sechs Wochen nach der Geburt baut sich die vol­le Milchproduktion auf und regelt sich nor­ma­ler­wei­se von einer anfäng­li­chen Überproduktion bis zu der Menge, die das Baby braucht.

Je häufiger jetzt die Brust entleert wird, umso mehr Milch wird gebildet.

Das Saugen des Babys allein ist dazu aber nicht aus­rei­chend.

Damit das Baby (bzw. Sie selbst per Hand oder eine Pumpe) die Brust ent­lee­ren kann, muss der soge­nann­te Milchspendereflex aus­ge­löst wer­den. Was das genau ist, erfah­ren Sie

hier: Der Milchspendereflex

Er sorgt dafür, dass eine grö­ße­re Menge Milch ent­leert wer­den kann.

Um gut zu funk­tio­nie­ren, ist ein unter­stüt­zen­des und ent­span­nen­des Umfeld für Sie und Ihr Baby eine idea­le Voraussetzung.

Eine wei­te­re Voraussetzung ist, dass Sie Ihr Baby bei der Nahrungsaufnahme regel­mä­ßig schlu­cken hören.

Kleine Pausen sind bei einem Neugeborenen völ­lig nor­mal.

Ihr Baby hat aber auch ein Saugbedürfnis über das Nahrungsbedürfnis hin­aus, denn im engen Kontakt mit Ihnen kann es Erfahrungen machen, die anders nicht so leicht befrie­digt wer­den kön­nen.

Lesen Sie dazu hier: Stillen ist mehr als Nahrungsaufnahme

Auch wenn Ihr Baby wächst, sind Sie bestens gerüstet:

Es wird häu­fi­ger an die Brust wol­len als vor­her.

Nach zwei, drei Tagen hat sich dann die Milchproduktion wie­der sei­nem Bedarf ange­passt.

Wenn Sie weni­ger Stillen möch­ten, läuft alles in umge­kehr­ter Reihenfolge.

Sie legen ein­fach sel­te­ner an.

In Ihrer Brust befinden sich Messrezeptoren.

Die mes­sen den Druck und sor­gen dafür, dass die Milch, die Ihr Baby nicht getrun­ken hat, wie­der zurück­ge­bil­det wird.

Wenn Ihr Baby bespiels­wei­se krank wird und wie­der oft trin­ken möch­te, kön­nen Sie die Milchmenge auf die­se Weise stei­gern.

Wenn es spä­ter wie­der weni­ger trin­ken möch­te, wird weni­ger Milch ent­leert, also wird auch wie­der weni­ger gebil­det.

Sollte dies bei Ihnen so nicht funk­tio­nie­ren und Sie unsi­cher sein, ob alles in Ordnung ist, suchen Sie sich mög­lichst schnell still­kom­pe­ten­te Hilfe.